„Fünf Euro mehr oder weniger… Wichtig sind Gesamtkosten und der Kontakt zum Gemüse“

Heidi Friedrich porträtiert in der „Zeit“ zwei solidarische Landwirtschaften und deren Bauern, nämlich den Lindenhof Gelsenkirchen und die Höfegemeinschaft Oldenburg. Letztere haben uns bei unseren Recherchen zur Einführung des Bieterverfahrens geholfen. Liebe Grüße und besten Dank dorthin an dieser Stelle! Euch weiterhin gutes Gelingen! Im Folgenden ein paar Auszüge aus dem Artikel für Eilige:

„Von einem guten Jahr profitieren alle gleichermaßen und nach dem solidarischen Prinzip wird das Risiko von schlechteren Ernten auf viele Schultern verteilt. Auch für den Bauern hat die Solawi zwei Seiten: „Es ist beruhigend, finanziell abgesichert zu sein, andererseits habe ich auch die Verantwortung, das Vertrauen der Mitglieder zu erfüllen.““

„An den Abholtagen wird [der] Lindenhof [in Geldenkirchen] zu einer Art Marktplatz. Aus einem Umkreis von etwa zehn bis fünfzehn Kilometern kommen sie angefahren: Postboten, Informatiker, Lehrer, Bankmanager, Verkäuferinnen. Menschen mit unterschiedlichstem sozialen und beruflichen Hintergrund stehen dann auf dem Hof zusammen und tauschen sich aus. Die Mitglieder haben mit der Zeit auch ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt.“

„Obwohl der Dienst freiwillig ist, kommen viele. „Wer mitmacht, will neue Erfahrungen sammeln, direkt mit den Lebensmitteln in Kontakt kommen, unsere Arbeit auf dem Hof besser kennen lernen und die Geselligkeit, wenn alle gemeinsam anpacken, genießen“, erzählt der Landwirt.“

„Doch am wichtigsten ist Erfurt die Preistransparenz. Um diese zu gewährleisten, lädt Bera alle Mitglieder einmal im Jahr zur obligatorischen „Bieterrunde“ ein. Nachdem er den Haushaltsplan für das kommende Jahr vorgestellt hat, teilen ihm die Anwesenden mit, wie viele Ernteanteile sie brauchen. Die wird nach Bedarf berechnet – im Jahresdurchschnitt isst ein erwachsener Mensch etwa drei Kilogramm Gemüse pro Woche. Die für den Betrieb benötigte Geldsumme wird nun durch die Ernteanteile sowie durch zwölf geteilt – also für jeden Monat einen. Sobald der Richtwert steht, bietet jedes Mitglied anonym den Betrag, den es gewillt ist zu zahlen. Wenn der Gesamtbetrag nach der ersten Runde nicht gedeckt ist, wird weiter geboten.“

„Solidarische Landwirtschaft bedeutet für Bera gerade das: Jeder gibt, was er will beziehungsweise kann und die Kaufkräftigeren tragen die Ärmeren mit. „Die Mitglieder sollen nicht nur mir gegenüber, sondern auch untereinander solidarisch sein. Wir übernehmen damit die Verantwortung für einen sozialen Ausgleich in einer vom Profitstreben erkrankten Gesellschaft“ Für [den Ernteteiler] Erfurt ist das vollkommen in Ordnung: „Fünf Euro mehr oder weniger, mich interessiert es nicht, wie viel die anderen zahlen. Ich will als Verbraucher vor allem wissen, wie hoch die Gesamtkosten für den Betrieb sind und wie mein Gemüse produziert wird.“


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